Die zweite Etappe: Von Garmisch-Partenkirchen nach Zwiesel


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Start von Garmisch nach Krün

Von Krün zum Tegernsee

Vom Tegernsee nach Reit im Winkl

Von Reit im Winkl nach Ainring

Von Ainring nach Bad Füssing

Von Bad Füssing nach Neureichenau 

Von Neureichenau nach Zwiesel 
 

 Vorwort: Freitag, 25. Juni 1999

Die zweite Etappe steht bevor. Der letzte Arbeitstag vor einem vierwöchigen Urlaub ist vorbei. Birgit muß noch zwei Wochen arbeiten, deshalb setze ich mich jetzt erst mal allein ab. Eigentlich wollte ich schon morgen früh starten, das war aber mit der Menge der dienstlichen Restarbeiten nicht zu vereinbaren. Zum Packen bin ich nämlich bisher nicht gekommen. Heute abend habe ich aber das Kursbuch gewälzt und festgestellt, daß auch am Sonntag die Zugfahrt zu schaffen ist. Da bin ich zwar fast den ganzen Tag im Zug unterwegs, aber für ein paar Kilometer bis zum nächsten Campingplatz müßte es allemal reichen, so daß ich am Montagmorgen ausgeruht starten kann. Ich hoffe, wenigstens bis Passau, ggf. bis Zwiesel zu kommen. Mal sehn, wie's läuft!

 

Sonntag, 27. Juni 1999

6:30 Uhr Start in Ober-Mörlen, 7:13 Uhr Abfahrt in Friedberg. Über Frankfurt, Würzburg, Treuchtlingen und München nach Garmisch- Partenkirchen. Ankunft 17:25 Uhr. Per Rad zum Alpen-Caravan-Park Tennsee bei Krün, nicht weit von Mittenwald. Am Anfang waren ca. 8 Kilometer zum Teil ordentliche Steigung zu überwinden. Wie der Name des Platzes sagt, sind alle anderen Gäste motorisiert. Ich hab trotzdem einen schönen Platz gekriegt. 20 Meter hinter dem Zelt der kleine Tennsee, dahinter Wiesen und Wald, dahinter Felsengipfel. Sieht gut aus!


Heute waren in der Bahn viele Radfahrer unterwegs. Die Radabteile waren zum Teil randvoll. Bis Gunzenhausen bin ich mit drei Radlern aus Karben und Rockenberg zusammen gereist. War ganz lustig!

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Montag, 28. Juni 1999

Ich sitze am Tegernsee im Zelt (der See ist so weit weg, daß ich ihn nicht mal gesehen habe). Es ist gleich acht Uhr, ich habe gegessen und geduscht und gehe bald schlafen. Heut war ein Scheiß-Tag! Nachts gab's Schauer. Die Frösche im Tennsee (mindestens hunderte) haben ein Mords-Spektakel gemacht und morgens um acht Uhr fing es wieder an zu regenen, um erst um halb zwei mittags wieder aufzuhören.

Nachdem ich mich bis dahin im Zelt rumgedrückt hatte (langsam fing es an, reinzutropfen), hab ich die Gelegenheit genutzt, schnell alles zusammenzupacken, um endlich zu starten. Nach 5 Kilometer fing der Regen wieder an und die nächsten drei Stunden bin ich fast durchweg im Regen geradelt. Es ging am Sylvenstein-Stausee vorbei über den Achenpaß (nach einigen Kilometern "normaler"

Steigung 2 Kilometer sehr steil bergauf). Auf der Steilstrecke hat mir ein Touri-Kind einen Schokoriegel aus dem Autofenster gereicht. Fand ich toll! Ab Kreuth war es endlich trocken. Mal seh'n,. wie's morgen wird.

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Dienstag, 29. Juni 1999

Schönes Wetter heute!!! Schon um viertel vor neun war ich unterwegs. Zunächst durch Rottach-Egern gekurvt, um die nächste Fahrrad-Karte zu kriegen - kein Erfolg

Dann doch wieder mal einen Wanderweg genommen, ca. 500 Höhenmeter, die letzten 200 Meter zum "Elend-Sattel" geschoben. Holprige Abfahrt bis Bayrischzell. Dort Mittagspause gemacht und endlich (ich war fast am Rand der Karte angelangt) die nächste Radwegekarte gekriegt. Anschließend den Sudelfeldpaß hoch: 4,5 km im ersten Gang in der prallen Sonne. Dann Wahnsinnsabfahrt bis Oberaudorf.

Weiter - nichts Böses ahnend - Richtung Walch-See und Reit im Winkl (also wieder mal ein Stück durch Österreich). Welche Überraschung: Zum Walchsee ging es nochmal mehrere Kilometer zum Teil steil bergauf. Die Steigung nach Reit im Winkl war dann fast geschenkt. Jetzt bin ich 6 km hinter Reit im Winkl auf einem Campingplatz, der erst am 1. Juli, also übermorgen, wieder aufmacht.


Das heißt: Zeltplatz selbst aussuchen, eiskalt duschen, morgen kein Frühstück und hoffentlich nichts zahlen! Jetzt ist's halb zehn und ich geh schlafen.

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Mittwoch, 30. Juni 1999

Uff, das war knapp! Gerade noch in den ersten Tropfen das Zelt aufgebaut. Als ich gerade vom Duschen kam, hat's schon ordentlich ge- regnet. Ich bin in Ainring, an der Saalach einige Kilometer nordöstlich von Bad Reichenhall, gelandet.

Heute morgen war's wie vermutet: Kein Schwein da! Also Kaffee und Schokolade zum Frühstück und dann um 8:00 Uhr auf zur Winklmoosalm. Bei 18 % Steigung hab ich dann gleich 1 km und später noch mal ein Stück geschoben. Da war mit meinem Packesel mit strampeln nichts mehr zu auszurichten. Oben auf der Alm hab ich dann erst mal hochherrschaftlich gefrühstückt in einem richtigen Restaurant mit norddeutschen Ober. Weiter gings durch eine schöne Landschaft mit Wald und Wiesen voller Blumen: Orchideen, Trollblumen und viele andere. Zum Schluß eine sehr steile Abfahrt, wieder mal nach Österreich rein, einige km an der Saalach entlang und dann scharf rechts ab an die nächste Steigung: 1 Stunde im 1. Gang bei 12 % Steigung. Diesmal habe ich die Straße dem Radweg durch den Wald vorgezogen. So konnte ich gleichmäßig durchtreten und brauchte nicht schieben. Auf der anderen Seite des Berges nach Ramsau, ein wohlverdientes Radler genossen und weiter zum Königsee (noch mal ein paar km Steigung). Dort war's ätzend! Touris en masse und der dazugehörige Nepp und Kitsch in gleicher Menge. Da war ich schnell wieder weg.


Jetzt habe ich die Alpen hinter mir und bin auf dem Weg flußabwärts nach Passau. Der Hintern tut mittlerweile ordentlich weh!

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Donnerstag, 1. Juli 1999

Heut fast immer am Wasser lang! Heute nacht und am frühen Morgen hats immer wieder geregnet. Auch gefrühstückt habe ich noch im Regen. Danach wars vorbei und ich hab schnell zusammengepackt und bin um 9:00 Uhr auf nassen Straßen gestartet. Zuerst bin ich mehr oder weniger im Kreis gefahren, da hier alles flach ist und die Orientierung damit viel schwieriger ist als in engen Alpentälern.

Die Saalach hinunter bis zur Mündung und ein gutes Stück Salzach hinab mußte ich links des Flusses auf deutscher Seite fahren, obwohl der Weg saumäßig war (grober Kies, Schlamm, Betonplatten mit hohen Absätzen u.a.). Dann endlich kam eine Brücke hinüber nach Österreich zum Haupt-Radwanderweg und ab da ging es besser.

Zwischendurch waren noch ein paar kurze, aber heftige Steigungen zu bewältigen, wo das Flußtal zu eng für einen Radweg war. Mittags ein kurzer Abstecher nach Tittmoning in Bayern, um zu essen und zu trinken und eine Kirche zu besichtigen. In Braunau am Inn konnte ich dann endgültig auf die deutsche Seite wechseln, da von dort auch ein gut ausgebauter Radweg weitergeht. Nach weiteren 30 Kilometern, teilweise entlang einer malerischen Flußlandschaft, bin ich jetzt in Bad Füssing gelandet. Der kleine Campingplatz gehört zu einem Bauernhof und war gar nicht leicht zu finden. Ein paar Appartements gehören auch noch dazu. Der Hof ist rustikal-gammelig, das Sanitärhaus aber neu und vom Feinsten.

Was mir seit Montag auffällt: Auf der ganzen Strecke sind mir kaum Radwanderer begegnet, selbst hier an den Flüssen nicht. Auf allen fünf Plätzen bisher war ich jeweils der einzige unmotorisierte Camper.

Zurück zu heute: Mindestens die letzten dreißig Kilometer durch Deutschland wußte ich nicht mehr, wie ich noch auf dem Sattel sitzen sollte, da der Hintern heftig wehtut. Eigentlich kann fast nur das mich daran hindern, über Passau hinauszufahren, da ich dort vermutlich

schon morgen gegen Mittag ankomme. Das heißt aber auch, daß es dann noch mal in die Berge geht. Der Bayrische Wald tauchte heute schon vor mir auf.

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Freitag, 2. Juli 1999

Die Berge haben mich wieder! Heute morgen um 8:30 Uhr Start in Bad Füssing. Eine Überraschung war der Preis für die Übernachtung: 6,- DM hab ich bezahlt (plus 1,- DM für's Duschen)! Von Anfang an tat der Hintern ziemlich weh. In Passau war ich gegen halb elf. Vorher, am Inn entlang, viel Natur, viele Sorten "Viehzeug": Kaninchen, Enten, Sumpfhühner, Fasane, Rebhühner, Wiesel .

In Passau erst auf der Post Geld holen. Nach zwei vergeblichen Versuchen, die Pin richtig zusammenzukriegen, hab ich dann gegen Vorlage des Personalausweises Geld gekriegt, dazu eine neue Telefonkarte, da ich die alte gestern beim Gespräch mit Birgit leertelefoniert hatte. Danach Einkauf: Lektüre, neue Karte (Bayrischer Wald, Donau), ein Stück Pizza und ein Bier, und schließlich Glycerincreme (für den Hintern - es hilft!).

Gegen 12:00 Uhr Weiterfahrt donauabwärts mit Rückenwind und jetzt auch mehr Radlern. Dann aber, nach 68 km Tagesetappe, kam's dicke: 4 km im 1. Gang in der prallen Sonne aufwärts aus dem Donautal in den Bayrischen Wald nach Gottsdorf. Das war zwar das schlimmste Stück für heute, aber hart gings weiter: Eine solche Berg- und Talfahrt wie auf den nächsten 40 km hab ich noch nie mitgemacht. Das schlaucht ungemein. Vor allem fürchte ich, daß das genauso weitergeht. Längere Strecken in Tälern sind nicht in Sicht. Fast alle Städtchen und Dörfer liegen auf Anhöhen und die Straßen schwingen sich - häufig ziemlich steil - entsprechend hoch und runter.

Jetzt bin ich jedenfalls auf einem Campingplatz kurz vor dem Dreiländereck Deutschland - Österreich - Tschechien gelandet. Der Ort heißt Lackenhäuser, Ortsteil von was-weiß-ich-was.

Der Platz ist - neben anderen in Deutschland - von Knaus, dem Wohnwagenhersteller angelegt. Es gibt alles, was das Herz begehrt: Laden, Sauna, Solarium, Hallenbad, Freibad. Letzteres ist nur ein kleines Becken - ich habs ausprobiert und damit die Badehose nicht ganz umsonst eingepackt. Der ganze große Platz sieht aus wie ein lichtes Wäldchen mit vielen großen Bäumen.


Die junge Dame an der Rezeption dachte, ich wollte sie verschaukeln, als sie hörte, ich sei nur mit Fahrrad, also ohne Auto, angereist.

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Samstag, 3. Juli 1999

Die letzte Etappe für diesmal ist geschafft - und ganz schön schwergefallen! War es noch gestern den halben Tag bewölkt, hat heute schon ab morgens die Sonne gebrannt. In dieser Hitze ging es, wie befürchtet, ständig hoch und runter. Die vielen plötzlichen, aber heftigen Steigungen - 200, 500, 1000 Straßen-Meter - gehen ungemein an die Substanz! Auf die Karte ist, was Steigungen und Gefälle angeht, auch nicht unbedingt Verlaß. Einen landschaftlich reizvollen Waldweg bin ich z. B. gefahren, der auf der Karte nur mit einem Gefälle markiert war. Tatsächlich ging es aber 6 Kilometer im 1. bis 2. Gang bergauf. Schließlich bin ich aber - nach einem hitzebedingten längeren Aufenthalt in einer Pizzeria in Spiegelau - in Zwiesel gelandet. Zunächst im Bahnhof einen Blick auf den Fahrplan und dann zum Campingplatz.

Ich hab wieder mal einen kleinen Platz hinter einer Wirtschaft erwischt. Das war ganz gut, da ich nicht rechtzeitig für das Abendessen vorgesorgt hatte (heut ist Samstag!). Also war ich nach dem Duschen (Duschmarke für 1,50 DM!) in der Wirtschaft zum Essen. Am Nebentisch auf der Terrasse waren einige ältere Ehepaare versammelt, von deren Gesprächen ich nichts verstanden habe. Um so erstaunlicher: Hier, im hintersten Winkel Bayerns, gab's ein ganz annehmbares hessisches Essen, nämlich Rippchen mit Kraut (und Bratkartoffeln) - des hat rischdisch gut geschmeckt!


Nach einem Bier und zwei Dampfbieren (eine dunkle einheimische Bierspezialität) habe ich jetzt hoffentlich die nötige Bettschwere, um zeitig schlafen und morgen ebenso zeitig aufbrechen zu können. Die Wirtin hat mir zwei Scheiben Brot gegeben und damit mein Frühstück gerettet.

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Sonntag, 4. Juli 1999

Heute morgen bin ich tatsächlich schon um viertel vor fünf aus dem Schlafsack gefallen und um 6:23 Uhr mit dem Zug gestartet. Die Rückfahrt hat ganz gut geklappt mit Umsteigen in Plattling, Nürnberg, Würzburg, Hanau und Frankfurt. Der Schaffner im Zug Plattling - Nürnberg, der mir das Wochenendticket verkauft hat, war so nett, mich darauf hinzuweisen, daß ich in Verbindung mit dem Wochenendticket nur eine Nahverkehrs-Fahrradkarte für 6,- DM brauche. Wieder was dazugelernt! Gegen 17 Uhr bin ich jedenfalls glücklich zu Hause angekommen.

Alles in allem: Schee wars!!!

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